Die Veranstaltung, organisiert vom Landratsamt Miltenberg, der GesundheitsregionPlus und der Erziehungsberatung der Caritas, fand am Bayerischen Präventionstag statt. Jährlich am 12. Oktober soll das Engagement von Kommunen, Einrichtungen, Betrieben und Behörden, Schulen, Vereinen, Verbänden und vielen weiteren Akteuren gebündelt und sichtbar gemacht werden. Der Aktionstag soll ein positives Klima für die Prävention schaffen und den Wert eines gesunden Lebensstils in den öffentlichen Fokus rücken. Im Landkreis Miltenberg waren im Sommer 2026 bei einer Präventionskonferenz drei Gesundheitsziele priorisiert worden. Als besonders wichtig hatten die Akteurinnen und Akteure die Stärkung der psychischen Gesundheit empfunden. Erster Ausfluss daraus war nun die Präventionsveranstaltung in der Realschule. Dabei standen die Wahrnehmung und der Umgang mit Emotionen und mögliche Handlungsoptionen bei herausfordernden Situationen im Fokus.
Laut Landrat Björn Bartels gehe es in der Veranstaltung darum, Gefühle zu erkennen und zu merken, was sie dem Menschen eigentlich sagen wollen. Das, so der Landrat, sei nicht nur für Kinder wichtig, sondern auch für Erwachsene. Die psychische Gesundheit stärken, wie es in der Präventionskonferenz mit Akteurinnen und Akteuren aus dem Bereich der Gesundheitsförderung hieß, bedeute, sich selbst und seine Gefühle zu kennen, über sie sprechen zu können. Man müsse auch wissen, wo man Unterstützung bekommt, wenn es einem einmal nicht gut geht. Heute dürften vor allem die Kinder selbst entdecken, ausprobieren und mitmachen. Der Landrat kündigte ein buntes Programm rund um Gefühle an – mit Theater, Bewegung und natürlich ganz viel Gelegenheit zum Mitmachen.
Wie könnte man das spielerisch besser lösen als mit dem Aschaffenburger Improvisationstheater ZapzarAB? Für das Quintett auf der Bühne dreht sich alles um das Thema Gefühle, aber es gibt keine festgelegten Skripte. Was auf der Bühne passiert, entscheiden alleine die Kinder. Ein Drehbuch gibt es nicht, spontan gehen die Schauspielerinnen und Schauspieler auf die Wünsche der Kinder ein und entwickeln daraus lustige, spannende, aber auch berührende Theaterszenen. Sie stellen Gefühle wie Wut, Angst, Freude, Trauer und viele mehr spielerisch mit Hilfe der Kinder dar. Die Kleinen dürfen beispielsweise pantomimisch zeigen, wie sie sich fühlen, wenn sie ängstlich sind oder wenn sie jubeln. Sie dürfen und sollen Gefühle zeigen, denn Gefühle sind normal, wie ein Schauspieler sagt. Manchmal brauche es auch Zeit, bis sie hervorkommen. [nbsp]
Ganz starke Momente hat die Veranstaltung, als Fantasiefiguren wie die Gefühlsforscherin Prof. Dr. Dr. Dr. Dr. Katharina Sternenstaub vorbeikommen und sie ihre Eule mitbringt. Weil sie niemand versteht, hat sie einen Gebärdendolmetscher mitgebracht, der sich auf der Bühne artistisch verrenkt. Gemeinsam forschen die Frau auf der Bühne und die Kinder nach der Herkunft von Gefühlen. Groß auch das Gelächter, wenn Kinder zwei Schauspieler wie Puppen bewegen müssen. Weitere Akteure sind eine kosmische Ziege, die von den Kindern beispielsweise wissen will, welches Gefühl sie beim Kuscheln mit ihrem Lieblingshaustier haben. Auch Feli, die traurige Fee auf der Wolke, erregt Mitleid. Aber ein „Stuntman“ aus dem Publikum macht Mut, indem er von der Wolke springt. Doch es gab auch stille Momente zu Klaviermusik, als Ruhe einkehrte und alle durchatmeten. Julia Körbel (Gesundheitsamt) dankte dem Schauspielensemble am Ende unter großem Applaus für die tolle Vorstellung.
Danach verstand es Frank Kesting (Erziehungsberatung des Caritasverbands), die Kinder mit Gefühlen vertraut zu machen. Es gebe so viele Gefühle wie Farben, sagte er zu ihnen und ließ sich zahlreiche Gefühle nennen. Egal ob Herzklopfen, feuchte Hände oder zittrige Knie – jedes Gefühl zeige sich, aber keines bleibe für immer. „Alle Gefühle sind richtig und wichtig“, rief er den Kindern zu, denn Gefühle gäben auch wichtige Signale. Mit schwierigen Gefühlen müsse man nicht allein bleiben. Kesting bat die Kinder deshalb, mögliche Ansprechpersonen zu nennen. Mama und Papa, Freunde, Bruder und Schwester, Oma und Opa wurden genannt, auch das Streicheln eines Haustiers. In der Schule gebe es nette Lehrer und Jugendsozialarbeiter, wenn man sprechen wolle. „Manchmal tut es gut, über seine Gefühle zu sprechen“, nahm Kesting den Kindern die Angst, mit Vertrauten zu reden. Auch die Erziehungsberatung sei eine Stelle, zu der man kommen könne, meinte er.
In einem weiteren Spiel, dem Stopptanz, rief er die Kinder auf, auf Kommando stehenzubleiben, Gefühle mit Farben zu beschreiben und zu sagen, was sie aus Gefühlen machen. Manche ärgern sich, andere machen eine Pause, einige sprechen sich selbst Mut zu, andere toben sich aus – jeder geht anders mit seinen Gefühlen um. Eine „Fantasiereise“ beendete nach gut 90 Minuten den Nachmittag. Am Ende dürften nicht nur die Kinder viel über Gefühle und den Umgang mit ihnen gelernt haben, sondern auch ihre Begleitpersonen.